Die dämonische Leinwand
Ein Symposium zum Verhältnis von Filmkunst, Filmmarkt und Populärkultur im deutschen Film veranstaltet vom Filmbüro NW e.V.
Montag, 3. Dezember 2007
10.00 bis 17.00 Uhr
Filmforum NRW/ Museum Ludwig, Köln
Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln
Eintritt 10 Euro
Freien Eintritt haben Mitglieder des Filmbüro NW, Studenten und Journalisten
Anmeldung erbeten unter info@filmbuero-nw.de bis zum 26. November 2007
Kontakt: Antje Krumm, email: info@antjekrumm.de, Tel.: +49 (221) 925 28 90
DER PHANTASTISCHE FILM
Kein Filmgenre hat bis heute eine so ungebrochene Popularität im Kino bewiesen wie der phantastische Film in seinen verschiedenen Spielarten wie z.B. Fantasy, Horror und Science-Fiction. Einmal abgesehen vom Dauer-Boom des Phantastischen im US-amerikanischen Kommerzkino – die herausragendsten Filmemacher des Weltkinos begründeten ihre Karrieren mit Filmen, die Klassiker der Filmgeschichte wurden und die menschliche Abgründe, Utopien und elementare Ur-Ängste ausloten: Roman Polanski mit »Rosemarys Baby«, David Lynch mit »Eraserhead«, Nicolas Roeg mit »Wenn die Gondeln Trauer tragen«. Gerade in diesen Jahren erlebt der phantastische Film auch in der Filmkunst eine Renaissance. So gelang dem mexikanischen Filmemacher Guillermo del Toro jüngst in »Pans Labyrinth« die Symbiose von phantastischem Unterhaltungskino und hochintelligenter politischer Parabel, und er wurde für den Oscar nominiert. Im asiatischen Kunstkino ist das Genre des phantastischen Films in der Realität der modernen Gesellschaft längst fest verankert.
Dagegen fehlt in der deutschen Filmproduktion der phantastische Film seit langer Zeit fast ganz – ein Umstand, der nicht nur der Dominanz US-amerikanischer Großproduktionen geschuldet ist. Dies ist umso erstaunlicher, da in den hochkreativen 20er Jahren in Deutschland einige der größten Meisterwerke dem phantastischen Film zuzuordnen waren, wie z.B. F. W. Murnaus »Nosferatu« und Fritz Langs »Metropolis«. Vereinzelte Ausnahmen wie die erfolgreichen »Anatomie«-Horrorthriller ändern an der Situation nichts. Dabei gibt es immer wieder Impulse aus den Reihen Kreativer, phantastische Filme auf die Beine zu stellen.
Die multimediale Entwicklung lässt eine neue Zuschauergeneration heranwachsen, die schon jetzt mit dem Genrekino der Weltmärkte vertraut ist. In eng vernetzten Fangemeinden kursieren internationale Horror- und Fantasy-Filme sehr schnell. Und wie identitätsstiftend das Genre auch in Deutschland sein kann, beweist der immense Zuschauererfolg des wandernden »Fantasy Filmfest«. Ökonomische Zwänge und künstlerische Innovationsfähigkeit sind wachsende Herausforderungen für Filmemacher. Neue Generationen von Kreativen hierzulande müssen verstärkt ihre eigene filmkünstlerische Identität entwickeln und gleichzeitig eine vitale Kommunikation mit dem Publikum der Zukunft führen. Das Genre-kino bzw. der phantastische Film können hierfür ein geeignetes Medium sein.
PROGRAMM
ab 9:30
Kaffee
10:00 Uhr – 10:15 Uhr
Begrüßung
Stephan Brüggenthies, Filmbüro NW e.V.
10:15 Uhr – 10:40 Uhr
Keynote / Einführung
Zur historischen Einordnung und kulturellen Bedeutung des
Phantastischen im deutschen Film
Dr. habil. Marcus Stiglegger, Institut für Filmwissenschaft,
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
10:40 Uhr – 12:00 Uhr
Panel I: Bestandsaufnahme
Was ist der phantastische Film? Warum gibt es ihn kaum in Deutschland? Gibt es Berührungsängste mit dem Genrekino generell? Wo ist die Trennung zwischen filmischer Hoch- und Trashkultur?
Markus Rohde, Chefredakteur von SpaceView, Magazin zu Science-Fiction, Action, Fantasy in Kino und TV, Essen
Daniel Kothenschulte, Filmjournalist, Köln
Stefan Ruzowitzky, Regisseur „Anatomie“, Wien (angefragt)
Hans W. Geißendörfer, Filmemacher und Produzent, Köln
Moderation: Dr. Josef Schnelle, Filmjournalist, Köln
12:00 Uhr – 12:15 Uhr
Kaffeepause
12:15 Uhr – 12:30
Phantasmen aus Spanien und Asien
ein Exkurs von
Olaf Möller, Filmjournalist, Köln
12:30 Uhr – 14:00 Uhr
Panel II: Impulse des Phantastischen
Wollen Filmemacher heute Phantastische Filme machen? Warum ist das wichtig? Wollen die Kino- und TV-Zuschauer so etwas sehen? Wo sind die Hindernisse für Autoren und Filmemacher?
Gregor Buchkremer, Filmemacher (»Kaltmiete«), Köln
Benjamin Reding, Filmemacher (»Oi Warning«, »Für den unbekannten Hund«), Berlin
Julia Grünewald, Leiterin Bereich Drehbuch, internationale filmschule köln
Jörg Himstedt, Redakteur Fernsehspiel und Spielfilm, Hessischer Rundfunk, Frankfurt
Frank Tönsmann, Redakteur Film und Serie, Westdeutscher Rundfunk, Köln
Moderation: Frank Olbert, Filmjournalist, Köln
14:00 Uhr – 15:00
Mittagspause
15:00 Uhr – 16:30
Panel III: Aspekte des Marktes
Wie lukrativ können phantastische Filme deutscher Produktion sein, gerade im internationalen Vergleich? Gibt es Unterschiede bei den diversen Subgenres? Wie gehen Produzenten und Verleiher mit den verschiedenen Zuschauergruppen um?
Anatol Nitschke, GF Senator Film Verleih GmbH, Berlin
Marcus Popescu, Legend Films International GmbH, Köln
Rainer Stephan, Rosebud Entertainment /Direktor Fantasy Filmfest, Berlin
Daniel Baur, Produzent, K5 Film GmbH, Köln
Moderation: Dr. Josef Schnelle, Filmjournalist, Köln
16:30 Uhr – 17:15 Uhr
Panel IV: Zur Wiederbelebung des Phantastischen Films
Welche Chancen bestehen für Filmemacher, sich mit dem Genre als Filmemacher zu etablieren? Was für Visionen könnten jungen Filmemachern diese Etablierung erleichtern? Was müsste sich im Marktgeschehen ändern?
Peter Henning, Filmemacher, Autor, Prof. für Drehbuch / Dramaturgie an der ifs Köln
Benjamin Reding, Filmemacher (»Oi Warning«, »Für den unbekannten Hund«), Berlin
Franz Müller, Filmemacher (»Kein Science Fiction«), Köln / Berlin
Moderation: Felicitas Kleiner, Filmjournalistin, Bonn
17:15 Uhr
Umtrunk
18:30 Uhr
Preview »Kaltmiete« von Gregor Buchkremer
Deutschland 2006, 45 Minuten
Mit Henny Reents, Matthias Schloo,
Pippa Galli, Julian Schmieder
Eine Produktion der KHM Köln
„Nimmermehr“ von Toke Constantin Hebbeln
Deutschland/Dänemark 2006, 63 min.
Mit Leonard Proxauf, Rolf Becker, Sylvester Groth
Gewinner des Studenten-Oscar 2007
20:30 Uhr
Preview „El Orfanato“ (“Das Waisenhaus”) von Juan Antonio Bayona
Mexico, Spanien, 2007, 100 min.
Produktion: Guillermo des Toro („Pan’s Labyrinth“)
Mit Belen Rueda, Fernando Cayo, Geraldine Chaplin
Verleih: Senator, Kinostart: 14. Februar 2008