Wirklichkeitsspiele: Zum Einzug des Fiktionalen in den dokumentarischen Film
am 3. Dezember 2009 von 9.30 – ca. 22.00 Uhr
im Filmforum, Kino im Museum Ludwig, Köln
in Kooperation mit der dfi - Dokumentarfilminitiative im Filmbüro
gefördert vom Ministerpräsidenten des Landes NRW.
In den letzten Jahren ist eine Veränderung des dokumentarischen Erzählens zu beobachten. Der aktuelle Dokumentarfilm macht sich auf vielfältige Weise Formen des Fiktiven zunutze. Der Trend geht zur Integration von inszenierten Passagen, die den Zuschauer emotional binden sollen.
Es scheint, dass kaum ein Filmemacher oder Kritiker die zunehmende Fiktionalisierung im Mix mit dokumentarischen Elementen im Dokumentarfilm auch hierzulande öffentlich in Frage stellen würde. Anlass genug für das Filmbüro NW und die dfi, den Einzug des Fiktionalen in den dokumentarischen Film unter dem Titel “Wirklichkeitsspiele“ am 3. Dezember zum Thema eines ganztägigen Symposiums zu machen.
Die Vermischung von fiktionalen und dokumentarischen Formen ist kein neues Thema; schon Grierson und Flaherty begingen den ‘Sündenfall’: Sie inszenierten in ihren Filmen nach. Gerne werden sie von denen zitiert, für die die Vermischung von Dokumentarischem und Fiktionalem aus Quoten- oder sonstigen Erfolg versprechenden Gründen ohnehin schon alternativlos ist.
International ausgezeichnete Filme wie “Man on Wire“ von James Marsh spielen mit allen Mitteln der Fiktion, um auf spannungsreiche und emotional verdichtete Weise eine ungewöhnliche Geschichte aus der Wirklichkeit zu erzählen. Das Gleiche gilt für “Stranded“ von Gonzalo Arijon. Beiden Filmen ist gemeinsam, dass die inszenierten Anteile nicht die Illusion herstellen, dass “es so gewesen ist“. Der Zuschauer bleibt Zeuge der Darstellung und behält dadurch den Zugang zur Reflexion des Geschehenen.
Die zentrale Frage des Symposions lautet: Welche Möglichkeiten bieten und welche Gefahren bergen fiktionale Anleihen im Dokumentarfilm? Zugespitzt formuliert: Fördert die Dramatisierung des Dokumentarfilms eine Vertiefung der Einsicht in gesellschaftliche, zwischenmenschliche Zusammenhänge, indem sie auch Emotionales und Unsagbares mit einbezieht? Oder verkürzt sie die politischen, kulturellen und sozialen Zusammenhänge auf banale zwischenmenschliche Interaktion und emotionale Identifikation, in denen sich der Zuschauer, ohne viel nachdenken zu müssen, jederzeit wiederfindet und bestätigt fühlt?
Zugesagt, über diese spannenden Fragen öffentlich zu streiten, haben bislang namhafte Publizisten, Filmwissenschaftler, Regisseure und Produzenten wie Gonzalo Arijon, Bettina Blümner, Axel Engstfeld, Volker Heise, Dietrich Leder, Egon Netenjakob, Karl-Ludwig Rettinger und Beate Schlanstein; die Tagesmoderation hat der Medienjournalist Fritz Wolf übernommen.
Den krönenden Abschluss des Symposiums bildet um 19.00 Uhr die Präsentation des Kino-Dokumentarfilms “Stranded“. Der Film des aus Uruguay stammenden Regisseurs Gonzalo Arijon wird als deutsche Erstaufführung gezeigt; anschließend gibt es ein Filmgespräch zwischen dem Regisseur und dem Kölner Dokumentaristen Robert Krieg.
Information und Anmeldung:
Eintritt Symposium: 10 EUR
Filmvorführung “Stranded“ mit Filmgespräch: 5 EUR
Mitglieder des Filmbüro NW, Studenten, Presse: Eintritt frei
Anmeldung unter: Filmbüro NW, Tel: 0221 - 9499 2697,
email: info(at)filmbuero-nw.de
Pressekontakt "Wirklichkeitsspiele":
Elfriede Schmitt
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